Es gibt Bücher, die man liest und wieder weglegt. Und es gibt Bücher, die man nicht mehr loswird. Nassim Talebs „Antifragile" gehört für mich zur zweiten Kategorie – auch wenn ich es in Teilen laut widerspreche.
Das Kernkonzept ist deceptively simple: Fragil ist das, was durch Stress kaputtgeht. Resilient ist das, was Stress übersteht und danach wieder gleich ist. Antifragil ist das, was durch Stress stärker wird. Knochen, Muskeln, gut funktionierende Systeme.
„Der Wind löscht eine Kerze aus und facht ein Feuer an. Du bist entweder eine Kerze oder ein Feuer."
Was das mit meiner Arbeit zu tun hat
Ich arbeite in zwei sehr verschiedenen Welten: In der Unternehmensberatung begleite ich Teams durch Transformationen – also durch strukturierten Stress. Und in Schulen bringe ich Kindern bei, mit Unsicherheit umzugehen. In beiden Kontexten begegnet mir immer dieselbe Angst: die Angst vor dem Fehler.
Teams, die nicht scheitern dürfen. Schüler:innen, die nicht falsch liegen wollen. Organisationen, die Stabilität über Lernfähigkeit stellen. Das Gegenteil von Antifragilität.
Was ich daraus für meine Workshops gemacht habe
Im Workshop „Kompass im Chaos" geht es nicht darum, dass Kinder die richtige Lösung finden. Es geht darum, dass sie im Chaos handlungsfähig bleiben. Dass sie ausprobieren. Dass sie merken: Scheitern ist kein Ende, es ist Information.
Das klingt abstrakt. In der Praxis bedeutet es: Ich baue Situationen ein, in denen etwas nicht klappt. Absichtlich. Und dann schauen wir gemeinsam, was als nächstes passiert.
- Nicht Stabilität anstreben, sondern Lernfähigkeit
- Fehler nicht vermeiden, sondern auswerten
- Stress als Information nutzen, nicht als Bedrohung
- Systeme bauen, die durch Störungen besser werden